In meinem Lieblingscafé höre ich wieder einmal Trixi und Harry zu. Trixi erzählt ganz aufgeregt: „Da will die Frau durch die Türe gehen und sieht nicht, dass es so eine automatische Türe für Rollstuhlfahrer ist. Also – die Frau stemmt sich gegen den einen Türflügel, dass ich denke, die will das Haus verschieben. – Nichts passiert. – Dann plötzlich: gehen beide Türflügel auf. Butterweich und ohne jede Kraftanstrengung. Die Frau raus .. nach ein paar Schritten schaut sie zurück und sieht: Die Türe steht noch offen! Sie also zurück und versucht die Türe zu schließen. Plötzlich wieder – wie von Geisterhand – schließen sich die beiden Türflügel. – Mann, hat die geguckt!“

 

„Und du hast deinen Spaß gehabt“, meinte Harry kopfschüttelnd. „Kannst du dir vorstellen, wie doof sich das angefühlt haben muss? Du tust und machst – und für das, was passiert, ist es völlig egal, was du machst und tust. Das ist bestimmt kein schönes Gefühl!“

 

„Schon – ich hab eigentlich mehr darüber nachgedacht, dass ich das kenne.“

Harry fragt nach: “Du kennst das Gefühl mit einer automatischen Tür zu kämpfen?“

 

„Quatsch“, meinte Trixi, „aber ich kenne, dass ich denke, ich müsste etwas machen, damit z.B. die Türe zugeht. Ich müsste nur heftiger drücken, damit sie aufgeht. Ich wäre es gewesen, wenn sich plötzlich beide Flügel der Türe öffnen. – Aber eben das Ganze ohne Tür.“

 

Harry schaute jetzt völlig verdattert Trixi an. „Wie … das alles ohne Türe?“

 

„Ja kennst Du das denn nicht, dass Du Dich verantwortlich fühlst für Verhaltensweisen von anderen, für die Du gar nichts kannst? Dass Du Dich schuldig fühlst für Ergebnisse, die andere verursacht haben? –Das ist das Gleiche, wie mit der automatischen Türe!“

 

„Du meinst“, fragte Harry zurück, „Verantwortung, schlechtes Gewissen, Ansprüche und Schuldgefühle – die kann es nur dann geben, wenn man selbst der Grund ist? Wenn man selbst die Situation bestimmen kann und sie nicht von anderen bestimmt wird?“

 

„Genau!“ Trixi war jetzt ganz lebendig und fuchtelte mit den Armen: „Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen sich-verantwortlich-fühlen und damit, die Situation, die Beziehung, das Verhalten bestimmen zu können. Je mehr ich bestimmen kann, desto verantwortlicher bin ich!“

 

Top, dachte ich. Das habe ich jetzt begriffen. Da soll jetzt ruhig mal wieder jemand kommen und meinen, ich müsse Verantwortung übernehmen, wenn ich nicht gleichzeitig die Kompetenz bekomme, diese Verantwortung auch auszufüllen. – Das passiert mir so leicht nicht mehr!